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Rückblick: Die Bujinkan-Abteilung in Germering

| Bujinkan

Rückblick auf unseren Besuch des Neueröffnungsseminars unseres befreundeten Mugenkai-Dojos

Anlässlich der Wiedereröffnung des Mugenkai Dojo an seiner neuen Wirkungsstätte beim SV Germering lud Dojocho Stefan Steiner zu einem eintägigen Seminar zum Thema „Biken Jutsu“ ein. Rund 30 Teilnehmende folgten der Einladung. Viele reisten aus Augsburg, München oder Puchheim an, sogar Besuch aus der Schweiz war dabei. Vom Dojoleiter bis zum 10. Kyu – also vom sehr Erfahrenen bis zum Einsteiger – waren alle Trainingsstufen vertreten. Solche Veranstaltungen sind immer eine schöne Gelegenheit, bekannte Gesichter wiederzusehen und neue kennenzulernen. Kaum hatte man alle begrüßt, begann auch schon das Seminar.

Nach dem gemeinsamen Angrüßen führte Stefan zunächst in die Geschichte des Katana ein. Er skizzierte die wichtigsten Entwicklungsphasen des japanischen Schwertes bis zu der Form, wie wir sie heute kennen. In seiner Blütezeit – als es tatsächlich auf den Schlachtfeldern der japanischen Bürgerkriege eingesetzt wurde und nicht als Statussymbol oder Dekoration diente – erreichte die Schmiedekunst eine beeindruckende Qualität. Manche Schwerter überdauerten mehrere Schlachten. Dieses Wissen ging über die Jahrhunderte weitgehend verloren, sodass moderne Schmieden diese Qualität nicht vollständig reproduzieren können.

Stefan stellte zudem unterschiedliche Schwertformen und ihre jeweiligen Einsatzzwecke vor. So gab es stärker gekrümmte Klingen für den Kampf hoch zu Ross, die ein einhändiges Ziehen ermöglichten, ohne das eigene Pferd zu gefährden. Andere, besonders lange Schwerter dienten der Verteidigung gegen berittene Gegner.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Etikette im Umgang mit dem Schwert. Historisch betrachtet war sie überlebenswichtig: In Zeiten wechselnder Loyalitäten musste man jederzeit mit einem Angriff rechnen. Klare Regeln halfen, Abweichungen sofort zu erkennen – und verschafften im Ernstfall vielleicht die entscheidende Sekunde.

Auch wenn wir heute nicht mehr mit solchen Gefahren konfrontiert sind, bleibt diese Etikette im Training essenziell. Im Laufe der Trainingskarriere im Bujinkan wird man irgendwann ein scharfes Schwert in der Hand halten. Spätestens dann ist absolute Disziplin erforderlich, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. Deshalb betonte Stefan, wie wichtig es ist, sich bereits mit Trainingswaffen wie Bokken (Holzschwert) oder Shinai (Bambusschwert) strikt an diese Regeln zu halten. Nur was man sorgfältig übt, kann man im Ernstfall sicher anwenden.

Nach diesem historischen und theoretischen Einstieg ging es in die Praxis. Mit dem Bokken bewaffnet starteten wir mit einer Aufwärmphase – für manche die ersten Schritte mit dem Schwert, für andere eine Gelegenheit, eingerostete Abläufe wieder aufzufrischen. Zunächst standen Handhaltung und saubere Führung der Klinge im Mittelpunkt. Anschließend suchte sich jeder einen Platz in der Halle, um die Genauigkeit der Schnitte zu trainieren. Eine gedachte vertikale Linie diente als Referenz, später wurde partnerweise entlang der Nasenlinie des Übungspartners (Uke) gearbeitet.

Im nächsten Schritt kam mehr Bewegung ins Spiel. Uke war nun kein statisches Ziel mehr, sondern sollte nach jedem Schnitt Distanz aufbauen. Dadurch rückte die Kontrolle des Schwertes in den Vordergrund. Gerade wenn Abstände einmal falsch eingeschätzt werden, muss Tori – also der Ausführende – jederzeit in der Lage sein, den Schnitt zu stoppen, bevor er den Partner mit voller Kraft trifft. Präzision und Verantwortung gingen hier Hand in Hand.

Mit zunehmender Übungsdauer entstand automatisch ein Rhythmus. Genau diesen galt es nun zu durchbrechen. Aufgabe war es, beim Gegenüber eine Lücke zu erkennen und mit einem kräftigen Kiai (Kampfschrei) den Bewegungsfluss zu unterbrechen. Für Tori bedeutete das, einen kurzen Moment des Zögerns zu nutzen, um selbst in Reichweite zu kommen. Uke wiederum konnte durch eine Irritation Distanz gewinnen oder selbst die Initiative übernehmen.

Die Kombination aus körperlicher und mentaler Intensität war deutlich spürbar – höchste Zeit für eine Pause. Bei frisch gebrühtem Kaffee, verschiedenen Teesorten, belegten Semmeln und Butterbrezen wurde die Gelegenheit zum Austausch genutzt. Gespräche drehten sich um persönliches Befinden, Trainingsfortschritte sowie um das Bujinkan insgesamt und die aktuellen wie zukünftigen Herausforderungen der Dojos.

Nach der Pause begann der zweite Trainingsteil wieder mit einem stationären Ziel. Diesmal standen sich Uke und Tori mit gezogenen Schwertern in Kampfhaltung (Kamae) gegenüber, Ziel waren die Handgelenke des Partners. Mit zunehmender Konzentration wechselten wir auf Shinai oder Soft-Bokken, um kontrolliert mit Kontakt zu arbeiten.

Das Szenario: Uke ist deutlich überlegen, die einzige Option ist die Flucht nach vorn. Zwei beliebige Schnitte sollten als „letzte Rettung“ dienen. Schnell zeigte sich, welche Techniken jedem besonders lagen – man griff automatisch häufiger darauf zurück. Anschließend durfte auch Uke aktiv angreifen. Unterschiedliche Reaktionen wurden ausprobiert, wobei die Erkenntnisse des Vormittags einflossen: den Flow des Gegners stören, selbst konzentriert bleiben und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen – was naturgemäß nicht immer gelingt.

Zum Abschluss wurden auch unkonventionelle Lösungsansätze ausprobiert. In der letzten Variante wich man einem Angriff aus und ließ den Schnitt des Partners auf den eigenen Schwertgriff treffen – mit dem Effekt, dass sich Uke gewissermaßen selbst das eigene Schwert an den Kopf führte. Je kräftiger der Schlag, desto stärker die unbeabsichtigte Rückwirkung. Was zunächst kurios wirkt und Zweifel aufkommen lässt, verdeutlichte dennoch einen wichtigen Punkt: Bei aller Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Schwert darf der Spaß am Training nicht verloren gehen.

Damit endete der reguläre Trainingsteil. Wer wollte, konnte nun das Gelernte an einem realen Ziel ausprobieren. Im hinteren Teil der Halle wurden gerollte Tatami-Matten aufgebaut, alternativ stand ein hängendes Stück Papier zur Verfügung. Selbst Teilnehmende, die zuvor noch nie ein scharfes Katana in der Hand gehalten hatten, schafften es, mindestens einen vollständigen Schnitt durch die Matte auszuführen.

Wer das schon einmal versucht hat, weiß, wie anspruchsvoll es ist, Theorie in Praxis umzusetzen. Ein Schnitt verzeiht kein Zögern und keine Ungenauigkeit. Umso beeindruckender war es, dass am Ende alle, die schneiden wollten, erfolgreich waren.

Fazit: Das Seminar war eine mehr als gelungene Einweihung der neuen Trainingsstätte des Mugenkai Dojo in Germering.

Alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

Stephan Holata

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